Außerschulischer Lernort "Grünes Klassenzimmer" – Förderung der Artenkenntnis von Blütenpflanzen mithilfe derer ökologischen Bedeutung
Man kann nur schützen, was man (er)kennt
Der Rückgang der Artenkenntnis in der Gesellschaft stellt eine zentrale Herausforderung für den Biodiversitätsschutz dar. Sowohl bei Schülerinnen und Schülern als auch bei Lehrkräften nimmt die Fähigkeit, heimische Arten sicher zu erkennen, kontinuierlich ab. Gleichzeitig erschwert die sogenannte „Pflanzenblindheit“ (Plant Awareness Disparity), dass Pflanzen überhaupt bewusst wahrgenommen und wertgeschätzt werden können. Ohne Artenkenntnis ist jedoch weder ein fundiertes Verständnis ökologischer Zusammenhänge noch eine verantwortungsvolle Haltung gegenüber der Natur möglich.
Klassische Pflanzenbestimmung vs. ganzheitlicher Ansatz
Klassische Bestimmungswerkzeuge – sowohl analoge als auch digitale – sowie schulische und universitäre Ansätze setzen in der Regel auf die Analyse einzelner morphologischer Merkmale, die schrittweise abgefragt werden. Dieser reduktionistische Zugang kann jedoch den Einstieg erschweren und bleibt häufig abstrakt. Das vorliegende Projekt verfolgt daher einen alternativen Ansatz: Pflanzen sollen ganzheitlich erkannt und in ihrem Kontext verstanden werden. Grundlage hierfür bilden die drei korrelierenden Dimensionen von Pflanzenwissen Nature of Life (Anatomie und Morphologie), Interconnectedness of All Things (Ökologie) und Greatest Public Benefit (Nutzungsmöglichkeiten), die unterschiedliche Zugänge zur Pflanzenwelt eröffnen und miteinander verbinden. Mithilfe dieses Ansatzes soll der bloßen Kenntnis der Arten eine inhaltliche Bedeutung verliehen werden.
Studie im außerschulischen Lehrkontext – Kooperation mit dem ÖBG
Im Rahmen einer empirischen Studie wird untersucht, wie diese drei verschiedenen Zugänge zur Pflanzenwelt die Artenkenntnis sowie die Natureinstellung von Schülerinnen und Schülern beeinflussen. Dazu werden im Ökologisch-Botanischen Garten (ÖBG) der Universität Bayreuth Exkursionstage durchgeführt, bei denen Schülerinnen und Schüler in unterschiedlichen didaktischen Settings mit ausgewählten Pflanzenarten arbeiten. Die Inhalte dieser Intervention sind dabei lehrplankonform auf die Jahrgangsstufen 5 und 6 an bayerischen Gymnasien abgestimmt. Ziel ist es, Wege zu identifizieren, die einen anhaltenden und lebensweltbezogenen Zugang zur Botanik ermöglichen.
Das Projekt entsteht in enger Zusammenarbeit mit dem ÖBG als außerschulischen Lernort. Perspektivisch ist die Entwicklung eines „Grünen Klassenzimmers“ als Außenstelle unseres EdLabs geplant, das langfristig innovative Lehr-Lern-Formate im Bereich der botanischen Bildung unterstützen soll. Das „Grüne Klassenzimmer“ soll darüber hinaus als praxisnahes Vorbild für die Entwicklung und Nutzung von Schulgärten dienen.